Werneuchens Online-Auftritt – ein kommunales Dienstleistungsportal ?

Avatar Karl Lehmann (17. Juni 2019) – Ein Kommentar von Dr. Karl Lehmann, Werneuchen

Viele Städte zeichnen sich heute dadurch aus, dass sie sich als Dienstleister für ihre Bürger begreifen und sich ihren “Kunden” u.a. durch einen modernen Online-Auftritt präsentieren.

Ein Blick über den “Gartenzaun” z.B. nach Panketal oder Ahrensfelde genügt bereits, um sich ein Bild davon zu machen, wie Kommunen bemüht sind, sich bürgernah und dienstleistungsorientiert aufzustellen.
Selbst die kommunalen Betriebe der Stadt Werneuchen, die Stadtwerke und die Wohnungsbaugesellschaft haben sich ein moderneres Outfit zugelegt, wenngleich auch hier noch einiges an Handlungsbedarf besteht.

Ganz anders der Online-Auftritt der Stadtverwaltung Werneuchen. Die Website ist, wie man landläufig sagen würde – “in die Jahre gekommen”. Ein genauerer Blick auf das Portal offenbart aber erhebliche Defizite. Sie alle hier aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Daher nur einige Beispiele.

Da wäre z.B. die Datenschutzgrundverordnung, die seit Mai 2018 auch für die öffentliche Verwaltung gilt. So vermisst man z.B. eine verschlüsselte Datenübertragung (erkennbar an ein https in der Webadresse). Ein Start-Hinweis auf die Verwendung von Cookies / Datenschutzerklärung wäre hilfreich.
Eine barrierefreie Website, wie sie im Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen gefordert wird, sollte inzwischen Standard sein.
Erhebliche Defizite gibt es bei der Bereitstellung von Informationen. Aktuelle Hinweise auf die politische Gremienarbeit (Stadtverordnetenversammlung, Ausschüsse usw.) findet man erst, wenn man in die “Tiefen” des Ratsinformationssytems eindringt, das dann plötzlich aber Bürgerinformationssystem heißt.
Es gibt zwar einen Veranstaltungskalender, aber ohne Inhalt. Ein Pressespiegel macht auf einen MOZ-Artikel vom 26. April 2012 aufmerksam. Verlinkungen auf externe Seiten laufen ins Leere (u.a. Verkehrsverbund Brandenburg, Fahrpläne der Barnimer Busgesellschaft) bzw. sind veraltet. So wesit die Website noch immer auf die ODEG (Fahrpläne eingeschlossen) als Unternehmen hin, obwohl der Bahnbetreiber schon seit vielen Jahren die Niederbarnimer Eisenbahn AG (NEB) ist.

Besonders schwierig wird es, wenn man sich über geltende Rechtsvorschriften bzw. Satzungen kundig machen will. Es existiert zwar eine Suchfunktion, die aber alles andere als eine leistungsfähige Volltext­suche ist.

Nun ist bei weitem nicht alles am Online-Auftritt der Stadtverwaltung veraltet bzw. fehlerhaft.
Einen zeitgemäßen bürgerfreundlichen Auftritt kann man ihm jedoch nicht bescheinigen.

Dazu gehört z.B. ein aktuelles Informationsangebot, bürgernah, verständlich und übersichtlich.
Dazu gehören z.B. Barrierefreiheit und responsives Webdesign (les- und optimal bedienbar auf mobilen Endgeräten).
Dazu gehört z.B. die Möglichkeit, Anliegen und Dienstleistungen unkompliziert – ggf. auch digital – in Anspruch nehmen zu können.
Vor allem aber gehört dazu ein Verständnis, sich als Dienstleister und Serviceanbieter für die Bürger webseitig aufstellen zu wollen.
Und wenn hier und da noch einige aktuelle Beitragsfotos zu sehen wären, könnte das Webangebot sogar noch etwas attraktiver wirken.

Die Chancen dafür stehen gut. Werneuchen hat gewählt und die veränderte politische Zusammensetzung in der Stadtverordnetenversammlung sowie die bevorstehenden Änderungen nach der Bürgermeisterwahl lassen hoffen, dass sich die politisch Verantwortlichen auch den “Online-Auftritt der Stadt Werneuchen” zu Thema machen.

Recherche-Stand 16.06.2019