Nicht wählen gehen – die neue Art, Haltung zu zeigen ?

Ein Kommentar von Dr. Karl Lehmann (16. Sept. 2019)

Am 1. Sept. 2019 wurde in Werneuchen der Bürgermeister gewählt. Sieben Kandidaten stellten sich zur Wahl. Keiner der Kandidaten erreichte mehr als 50 % der Wählerstimmen, so dass nun am 22.Sept. 2019 eine Stichwahl erfolgt.
In die „Endrunde“ haben es ein Kandidat der Unabhängigen Wählergruppe Werneuchen und der AfD Werneuchen geschafft.
Es liegt nun in der Natur der Sache, das es bei einigen Wählern Enttäuschungen gab, weil der „eigene“ Kandidat nicht die erforderliche Stimmenanzahl erreichen und somit nicht zur Stichwahl antreten konnte.
Nachvollziehbar ist es auch, das beide Stichwahl-Kandidaten nicht zu denen zählen die sie sich für die Stichwahl gewünscht hätten.
Aber die Werneuchener haben nun mal so gewählt und jetzt muss man sich gut überlegen, wem man seine Stimme gibt.

Der eine oder andere meint nun, eine besonders „originelle Lösung“ gefunden zu haben. Mitunter kann man in verschiedenen sozialen Medien auch lesen, dass man damit in besonderem Maße “Haltung” zeigt.

Die Lösung soll nun sein “nicht wählen zu gehen” oder “wählen zu gehen und den Stimmzettel bewußt ungültig machen”.

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht. Es ist jedem seine ureigene Entscheidung, wen und ob er wählt.


In der aktuellen Werneuchener Stichwahl-Situation sollte man aber bevor man “nicht wählen geht” oder den Stimmzettel ungültig macht wissen, was das für mögliche Konsequenzen haben kann.


Nicht wählen gehen kann dazu führen, dass wegen zu geringer Wahlbeteiligung der künftige Bürgermeister nicht die Mindeststimmenzahl (das sogenannte Quorum) erreicht. Sie liegt bei 15 %. In diesem Fall muss die Stadtverordnetenversammlung den Bürgermeister wählen.
Und genau darauf setzen einige, möglicherweise auch deshalb, weil sie dann wieder mit am Tisch sitzen, wenn es um die Bürgemeisterwahl geht. Ein Fall von “Haltung” zeigen? Es darf zumindestens daran gezweifelt werden
.
Wollen Sie wirklich den Stadtverordneten die Entscheidung überlassen, wer in Werneuchen Bürgermeister wird?


“Nicht wählen gehen” bzw. “wählen zu gehen und den Stimmzettel bewußt ungültig machen” kann aber noch eine weitere Konsequenz haben, auf die an dieser Stelle aufmerksam gemacht werden muss.
Die fehlende Bereitschaft wählen zu gehen, wird in erster Linie zu Lasten des Bürgermeister-Kandidaten der UWW gehen. Sie hilft vielmehr, dass die Wahlchancen des AfD-Bürgermeister-Kandidaten steigen.
Wer letzteres verhindern will, sollte also unbedingt wählen gehen. Damit überlässt man nicht anderen die Entscheidung, sondern gestaltet die Wahl aktiv mit. Und in diesem Fall kann man wohl eher von Haltung sprechen.

Wie man Haltung zeigen kann, hat z.B. die Drittplazierte der Werneuchhener Bürgermeisterwahl öffentlich kund getan: Sie hat sich bei ihren Wählern bedankt und sich auch zum Wählen gehen bekannt. Sie zeigte sich besorgt, wenn es um die Zukunft Werneuchens geht und hat auch begründet dem Kandidaten der AfD öffentlich eine Absage erteilt.

Fazit:

Gehen Sie bitte am 22. Sept. 2019 wählen und zeigen Sie wahre Haltung!
Nichtwählen ist keine Haltung! Nichtwählen überlässt anderen die Entscheidung, wohin sich Werneuchen künftig entwickeln soll. Und das kann man doch nicht allen Ernstes wollen.

Ergänzung:

Die Linke Werneuchen hat sich auf ihrer Website zur Bürgermeister-Stichwahl geäußert und zur Wahl des UWW-Kandidaten aufgerufen.

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